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Willi Gayler (1906-2001)

Willi GaylerWilli Gayler wurde am 10. Dezember 1906 im Pfarrhaus in Langenbrand bei Neuenbürg im Nordschwarzwald geboren. Seine Eltern waren freundschaftlich mit dem Forstmeister von Langenbrand, Dr. Julius Eberhard verbunden. Dadurch kam Willi Gayler sehr früh mit Wald und einem überaus passionierten und weit vorausschauenden Waldbauer in Kontakt. Dr. Eberhard begeisterte ihn für die Weißtanne und den ungleichaltrigen, gemischten, bodenpfleglichen Wald, wie er bevorzugt in den örtlichen Bauernwälder zu finden war - eine wichtige Weichenstellung für sein Leben.

Nach dem Abitur 1925 in Ludwigsburg studierte er Forstwissenschaften an der Universität in Freiburg und an der Hochschule für Bodenkultur in Wien. Mit dem Examensabschluss 1929 in Freiburg wurde er Forstreferendar und Forstassessor im württembergischen Staatsdienst in Mössingen, in Abtsgmünd und an der Forstdirektion in Stuttgart. Nach der großen Forstlichen Staatsprüfung 1931 war er zunächst ohne Beschäftigung, ab Sommer 1932 Amtsverweser im Forstamt Bolheim.

1934 heiratete er Minna geb. Nieder aus Stuttgart. 1934 erfolgte die Versetzung an die Forstamts-Außenstelle Kleinaspach im Forstamt Reichenberg unter Ernennung zum
Oberförster. 1938 wurde er zum Forstmeister ernannt. Mit dem Zweiten Weltkrieg wurde Willi Gayler zunächst Soldat. 1940 bis 1943 leitete er in Lothringen die staatlichen Forstämter Dagsburg und Pfalzburg. Ende 1943 bis Kriegsende war Willi Gayler wieder Soldat und wurde schließlich nach kurzer amerikanischer Kriegsgefangenschaft im Juni 1945 entlassen.
Im Württemberger Hof bei Mainhardt kam die Familie Gayler zunächst unter. Im April 1948 wurde er als Forstmeister wieder eingestellt und es wurde ihm das staatliche Forstamt Mönchsberg bei Mainhardt im Schwäbisch-Fränkischen Wald mit ca. 1.490 ha Staatswald, 530 ha Körperschaftswald und einem hohen Privatwaldanteil übertragen. Hier wirkte er überaus engagiert und erfolgreich 23 Jahre lang im Sinne naturgemäßer Waldwirtschaft bis zu seiner Pensionierung Ende 1971.

Willi Gayler war Zeit seines Berufslebens zutiefst von der dringend notwendigen Abkehr vom Altersklassenwald hin zum Plenterprinzip und der Plenterung als ökologisch sinnvolle Nutzungsart und ökonomisch erfolgreiche Wirtschaftsform überzeugt.
Die Arbeit in den Plenterwäldern in Lothringen und im Schwäbisch-Fränkischen Wald und die Liebe zur Weißtanne waren Kern seiner beruflichen Arbeit. In engem, oft freundschaftlichen Kontakt zu den Waldbauern und Waldbesitzern prägte er die naturgemäße vorratspflegliche Behandlung der Wälder, beispielsweise im Privatwald
"Dicker Busch" der Familie Wieland, im Pfarrwald Lachweiler und auch beratend im Fürstlich Bentheim´schen Wald bei Gaildorf.
Der Bauernwald lag ihm besonders am Herzen. Er unterstützte die Waldbauern nach Kräften und war Mitbegründer und Förderer des Waldbauvereins Mainhardter Wald.
Willi Gayler gehörte zu den entschiedenen Befürwortern und Wegbereitern naturgemäßer Waldwirtschaft. Er war Mitbegründer der ANW im Mai 1950 in Schwäbisch Hall und übernahm 1969 den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft von Willy Wobst. Willi Gayler initiierte die beginnenden Gründungen der ANW-Landesgruppen und bis 1991 amtierte er als Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg.

Im September 1989 war Willi Gayler Mitbegründer der europaweiten Arbeitsgemeinschaft "Pro Silva" in Slowenien. Für seine Verdienste um die naturgemäße Waldwirtschaft und den Bauernwald zeichnete die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Gayler 1984 mit der Alexander-von- Humboldt-Medaille in Silber aus. Anlässlich seines 90. Geburtstages 1996 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande.
In zahlreichen Veröffentlichungen äußerte er sich immer wieder im Sinne naturgemäßer Waldwirtschaft und des Plenterprinzips. Viele junge Forstleute gingen durch seine Schule. Seine enorme fachliche Kompetenz und seine menschliche, humorvoll-geistreiche und ausgleichende Art ermöglichten manchen Brückenschlag und manchen Kompromiss, gerade in den Zeiten stürmischer Auseinandersetzungen um die naturgemäße Waldwirtschaft.
Auf unnachahmliche Art kleidete er seine Beiträge oft in Gedichtform und trug damit viel zu gelungener Atmosphäre und Auflockerung bei. Auf zahlreichen Exkursionen und in unzähligen Begegnungen mit Kollegen und jungen Forstleuten prägte Willi Gayler in einzigartiger Weise und vermittelte sein Wissen.

Am 9. Juni 2001 verstarb Willi Gayler im Alter von 94 Jahren nach kurzer Krankheit. Seine Verdienste für den Bauernwald, die Prinzipien der naturgemäßen Waldwirtschaft und die ANW sind unvergessen.
Im Mai 2003 würdigte die ANW Baden-Württemberg mit den Familien Gayler und Wieland sein Wirken in Form eines Gedenksteins, der an der Straße von Mönchsberg zum Württemberger Hof im Privatwald "Dicker Busch" der Familie Wieland steht.

ANW Baden-Württemberg e.V.
08/2025

Quellen