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Siegfried Leo Palmer

geboren am 16.10.1929, gestorben am 21.09.2018

Siegfried Leo Palmer war Forstamtsleiter in Bad Urach, Abteilungsleiter für Waldbau und Forsteinrichtung an der Forstdirektion Tübingen und Berater, Impulsgeber, waldbauliches Vorbild und „Spiritus Rector“ der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Baden-Württemberg. Er hat die naturgemäße Waldwirtschaft in Süddeutschland über Jahrzehnte maßgeblich geprägt.

Berufliche Stationen und Wirkungskreise

Siegfried PalmerDer gebürtige Schwarzwälder legte 1949 das Abitur ab. Nach Absolvierung des Auswahllehrgangs 1949 in Baiersbronn folgten Studium und Referendariat. 1956 absolvierte Siegfried Palmer erfolgreich die Große Forstliche Staatsprüfung und wurde in den Staatsdienst übernommen.
Seine erste Verwendung erfolgte als Forsteinrichter im Forstamt Weingarten. 1960 fungierte er kurzfristig als zweiter Beamter am Forstamt Pfalzgrafenweiler, bevor er 1961 als „Hilfsreferent“ an die Waldbauabteilung der Forstdirektion Tübingen kam.
1963 wurde ihm die Leitung des Forstamts Bad Urach übertragen. 13 Jahre wirkte er in Bad Urach und prägte in dieser Zeit entscheidend die Waldentwicklung der Laubmischwälder am Albtrauf. Auf Basis eines ausgeprägt ökologischen Waldverständnisses erfolgte die Abkehr von der flächigen Nutzung der buchengeprägten Laubbaumbestände hin zu einer langfristigen Waldentwicklung. Palmer entwickelte ein Waldpflegekonzept unter Beachtung der Bezugsgröße Grundflächenhaltung mit konsequenter Ausnutzung des einzelbaumweisen Wertzuwachses und Übergang zur Zieldurchmesserernte unter Berücksichtigung der verschiedenen Waldfunktionen.
1976 erfolgte seine Berufung zum Abteilungsleiter Personal an der Forstdirektion Tübingen. Von 1981 bis zu seinem Ruhestand im Mai 1994 hatte er die Funktion des Leiters der Abteilung Waldbau und Forsteinrichtung an der Forstdirektion Tübingen inne. Hier konnte er intensiv in den Bereichen Waldbau und Forsteinrichtung wirken und gestalten. Diese waren für ihn zeitlebens seine Leidenschaft, die „Königsdisziplinen der Forstwirtschaft“.
Von 1987 bis 1994 war er auch stellvertretender Leiter der Forstdirektion Tübingen.

Über seinen Ruhestand hinaus wirkte er bis 1998 als forstlicher Berater in einem deutsch-türkischen Forstprojekt zur Weiterentwicklung von Laubwaldbewirtschaftung an der Schwarzmeerküste.
Mit dem Schweizer Dr. Walter Trepp nahm er die Sichtung und Zusammenstellung der gesammelten Werke von Dr. Karl Dannecker vor, die als „Ausgewählte Schriften von Karl Dannecker“ im Band 74 in der Schriftenreihe der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg erschienen sind und als ergänzter Nachdruck durch die ANW 2007 erneut herausgegeben wurden.
In der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Forsteinrichtung arbeitete er bis 1997 mit, u.a. an der
Erstellung eines Leitfadens zur Forsteinrichtung in strukturreichen Wäldern.

Seit seiner Pensionierung engagierte er sich intensiv ehrenamtlich für die naturgemäße Waldwirtschaft und die ANW. In vielen wichtigen und grundlegenden Fragen fungierte er als Berater und er war Unterstützer, Richtungs- und Impulsgeber, Förderer, waldbauliches Vorbild – der „Spiritus Rector“ der ANW Baden-Württemberg.

Seine Persönlichkeit

Siegfried Leo Palmer war eine natürliche Autorität aufgrund seiner Persönlichkeit, seines Wissens, seinem Weitblick, seiner Umgangsform, seines Charismas. Er hatte ein ausgeprägtes Geschick in der Mitarbeiterführung, Gespür und Fähigkeit, mit Menschen umzugehen, dies zeigte sich insbesondere an der Art und Weise, wie er seine Aufgaben und Ämter mit Leben füllte.
Siegfried Palmer war ein Visionär und er konnte seine Visionen in konkrete Konzepte umsetzen. Mit seiner exzellenten Didaktik und seiner ausgeprägt einfühlsamen Vermittlung von Wissen ist es ihm gelungen, Menschen zu begeistern, Denkhorizonte zu erweitern und ihren Blick zu entwickeln für Zusammenhänge und die langen Linien und die Langfristigkeit der Waldentwicklung. In seiner beruflichen Zeit und darüber hinaus nutzte er vielfältige Möglichkeiten zur Vermittlung von Wissen und für Weiterbildung, insbesondere bei Forsteinrichterexkursionen, unzähligen Fachexkursionen mit Gästen und Waldbesitzern aus dem In- und Ausland, Waldbauseminaren und den
Waldbaukursen an der Waldbauernschule in Bad Waldsee. Weit über seinen Wirkungsbereich und die Grenzen von Baden-Württemberg hinaus war er fachlich
anerkannt und hoch geschätzt.

Schlaglichter seines fachlichen Wirkens

Auf Grundlage seines ganzheitlichen Verständnisses für Wald, aus seinem besonderen Gespür für ökologische Zusammenhänge, dynamische Waldentwicklung und seinen umfassenden Kenntnissen in Standortskunde, Wald- und Forstgeschichte, von waldwachstumskundlichen Prozessen entwickelte er seine waldbaulichen Vorstellungen, die er immer im Einklang mit natürlichen Prozessen, mit der Berücksichtigung der Waldfunktionen, insbesondere des Naturschutzes und unter Beachtung
ökologischer Belange sehen wollte. Aus dieser Herangehensweise entstand eine Fülle an waldbaulichen Konzepten und konkreten waldwirtschaftlichen Maßnahmen, die bis heute grundlegend und prägend für die Waldbewirtschaftung und Waldentwicklung in Baden-Württemberg und weit darüber hinaus sind. Stellvertretend seien hier nur einige genannt:
Für sein herausragendes Engagement zur Förderung der Forstwirtschaft wurde er 2001 mit dem Georg-Ludwig-Hartig-Preis ausgezeichnet. 2006 wurde ihm für seine besonderen Verdienste durch die ANW Baden-Württemberg die Karl-Dannecker-Medaille verliehen.
Auf Initiative der ANW und auf Wunsch der Witwe, Frau Ingeborg Palmer aus Dettingen a. d. Erms erfolgte die Errichtung eines Gedenksteins am Kaltentalweiher in seinem ehemaligen Forstamtsbereich bei Bad Urach. Der Kaltentalweiher wurde in den 1970er Jahren von Siegfried Palmer selbst geplant und angelegt, so dass der Gedenkstein symbolisch mit seinem Lebenswerk verbunden ist.
Im Beisein der Familie Palmer, von Vertreterinnen und Vertretern der Landesforstverwaltung, des Staatsforstbetriebs ForstBW, der ANW und weiteren Wegbegleitern wurde der Gedenkstein zu Ehren Palmers am 22. Juli 2023 feierlich enthüllt. Er soll die Erinnerung an einen herausragenden Waldbauer, Impulsgeber und Lehrer der naturgemäßen Waldbewirtschaftung wachhalten.

ANW Baden-Württemberg e.V.
02/2026

Quellen